Wenn man genug vom E24, E23 und E30 hat... (BMW-E24-Forum)

honyama, (vor 7 Stunden, 52 Minuten) @ honyama

Sodele werte Forengemeinde,

es ist vollbracht. Die Eintragung des ABS-Systems habe ich gestern offiziell abgeschlossen.

Die Vorgespräche mit der lokalen Prüfstelle waren zunächst skeptisch, doch das spontane Vorführen des Fahrzeugs an der Prüfstelle hat im Frühsommer alles verändert. Der Prüfer war bei der Probefahrt begeistert vom Handling und der kräftig zupackenden Bremse und vor allem der Spurstabilität.

Bei einer anschließenden Besichtigung auf der Bühne war er von der schweiß- und bohrfreien Umsetzung sichtlich angetan und es war schon eine leichte "Ja, könnte man vielleicht ja doch eintragen"- Miene zu erkennen.

Nach einer Erklärung der internen Dokumentationspflichten seitens der Prüfstelle war dann schnell klar, dass es da der Wurm begraben liegt. Die Prüfstellen müssen heute intern Nachweise liefern, damit sie rechtlich sauber sind. Deutschland eben, aber nun gut.

Da ich selbst rund 150 Seiten Dokumentation druckfertig im Köcher hatte (u.a. den Entwicklungsbericht der Studigruppe und eigene Nachweise) und somit wirklich jedes Teil und jede Veränderung der Bremsanlage oder Kräfte belegt konnte, war das eigentlich weniger ein Thema..

Die 2. Hurde war dann nur noch die Frage- nach welchem Recht nimmt man so einen Umbau ab? EG, EU-oder oder? Zumal an dem Fahrzeug ja bereits eine Einzelgenehmigung vorlag.

Auch für dieses Problem fand sich eine praktikable Lösung- Ausgabe einer Abschlussarbeit, die genau diese Fragestellung klären sollte und anschließend als Arbeitsgrundlage für ähnliche Veränderungen genommen werden kann. Ein weiterer (und nebenbei bemerkt ziemlich talentierter und Oldiverstrahlter) Studi nahm sich der Arbeit an (und fängt dort nun auch als Prüfingenieur an, WIN-WIN für alle).

Vor einigen Wochen wurden dann praktische Versuche gemacht. Darunter Ermittlung der Verzögerung, Bremsen aus 50 km/h auf trockener und nasser Fahrbahn, sowie Ausweichfahrmanöver auf einem grasüberwachsenem Kiesparkplatz eines lokalen Freibads und Verhalten bei Systemausfall (ABS-Sensor abgesteckt). Dann natürlich prüfen der Bremswerte auf einem Bremsenprüfstand und Dokumentation aller Veränderungen inkl. Regelkreisprüfung nach Motorstart.

Zu den praktischen Fahrversuchen traten bei rund 8 Grad am besagten, schönen Herbsttag ein Mazda MX-5 (aus Mitte 1990er ohne ABS), der E9 und ein 2007er BMW X3 an. Nach Aufstellen von Hütchen wurde gebremst und die Ergebnisse waren äußerst überraschend:


Der X3 hatte mit Abstand den geringsten Bremsweg, doch der E9 war mit 1,5 m nicht wesentlich länger (X3 auf Winterreifen, E9 auf Sommer). Der Mazda hatte auf nasser Fahrbahn aus 50 km/h mehr als eine gesamte (!!!) Wagenlänge mehr als der E9 und auch trocken war er nicht besser. Jedoch muss man fairerweise anmerken, dass der Miata erst zuletzt neu gekauft wurde und noch ziemlich alte Schlappen montiert waren. Doch als Bewertungsgrundlage natürlich sensationelle Ergebnisse.

Spannender war die erreichte Mindestverzögerung vom E9- diese war mit Z= 108 % extrem gut, gefordert wäre die Hälfte gewesen. Der Prüfer grinste nur und sagte, dass diese Werte von modernen Klein- und Mittelklassewagen nicht erreicht werden. Durch den Wegfall der 2 vorderen Bremsleitungen (zumindest nehme ich das an) stiegen darüber hinaus die erreichbaren Bremskräfte um 10 %. Als Dokumentationsglück erwiesen sich die Herstellerangaben aus dem E9 Handbuch, welche in den 1960er Jahren natürlich mit dem damaligen Entwicklungsstand von Reifen gemacht wurden und ja.. mein E9 bremst wie vom anderen Stern.

Damit war lückenlos der Beweis erbracht, dass das System einen Zugewinn an Sicherheit bringt, auch wenn natürlich das ABS in bestimmten Situationen einen längeren Bremsweg mit sich bringt (Stichwort Kammscher Kreis, Kräfteübertragung bei Lenken+Bremsen).

Auf Basis der 10 Jahresregel wurde abschließend argumentiert, dass eine Umrüstung in den 1980er Jahren theoretisch möglich gewesen wäre und deshalb auch der H-Status erhalten bleiben kann.

Projekt beendet- alle glücklich. Übrigens, falls jemand die Entwicklungsstory mit schönen Bildern nachlesen möchte- in der aktuellen BMW Scene Zeitschrift ab Seite 60 ist die Story abgedruckt. Leider ist aktuell der Verkaufszeitraum noch, dass ich keine Veröffentlichungsrechte habe. Diese bekomme ich aber in den nächsten Monaten und dann kann ich den Link zur Hochschul-Website posten.

Grüße hony

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